Ausrüstung

„Weniger ist oft mehr!“

Ein bisschen was zur Ausrüstung für Mikroabenteuer

Draußen unterwegs? Bei Wind und Wetter? Vielleicht sogar draußen schlafen? Da muss man doch für alles ausgerüstet sein!

Ganz ehrlich?! Es geht mit ganz wenig und trotzdem ausgesprochen gut. Mikroabenteuer sind ja nicht umsonst „Abenteuer“. Im Federbett kann man auch zu Hause schlafen und dann halt nichts vom Großen und Ganzen mitkriegen, außer die Zentralheizung fällt mal aus.

Wenn es darum geht, offen für Abenteuer zu sein und intensiv zu erleben, dann gehört Improvisieren dazu. Deswegen sollte Dich Dein erster Weg zum Thema Ausrüstung nicht in den nächsten Outdoorladen führen, um HighTech-Zeug zu kaufen, sondern auf den Dachboden oder in den Keller. Oft schlummern da Dinge, die praktisch und komplett ausreichend sind.

Was Du wirklich brauchst…

…sind Dinge, die Dir helfen, Dich wohl zu fühlen! Kleidung sollte gemütlich und robust sein und bei praller Sonne, im Regen und in einer kühleren Sommernacht funktionieren. Eine Zwiebel hat ganz vielen Schichten und Schalen – ein saugutes Prinzip. Das solltest Du beim Anziehen nachahmen. funktioniert immer. Was ich Dir auf jeden Fall empfehle:

  • regenfeste Jacke
  • robuste, eingelaufene und regenstabile Schuhe
  • eine Mütze (oder Hut oder Kappe oder…), stark ist auch ein multifunktionelles Schlauchtuch; schützt bei Sonne und Regen
  • eine leichte Regenhose (oder auch nicht, wenn die Wetterprognose gut ist!!)
  • übrigens: Wolle (oder was mit Wolle) ist super: warm, wenn es kalt ist, etwas hitzemindernd, wenn es sonnig ist.
  • ein bisschen Fleece (Jacke, Weste) ist immer gut: leicht, unempfindlich und trocknet schnell.
  • eine alte Bluse oder ein altes Hemd (Langarm), das ist gleichermaßen Sonnenschutz und ungemein flexibel.

Wenn Dein Abenteuer über Nacht dauert, bedeutet das: Draußen schlafen! An der Stelle kann ich Dir versprechen: selbst eine etwas ungemütliche, kühle Nacht mit mäßig viel Schlaf, aber mit Blick auf einen weiten Sternenhimmel beim Einschlafen ist irre beeindruckend! Außerdem: das hier ist Abenteuer vor der Haustür und nicht all-inclusive… Für ordentliches Übernachten empfehle ich Dir folgendes:

  • Schlafsack. Auch da geht alles, was Du hast. Wenn es kühler ist, nimm einfach einen Bettbezug als Innenschlafsack mit oder polster Deinen Schlafsack mit Kleidungsstücken aus, das gibt einen hippen Knitterlook am nächsten Tag, aber wärmt ordentlich. Natürlich gibt es auch fertige Innenschlafsäcke im Outdoorgeschäft.
  • eine Isomatte, auf der Du gemütlich liegen kannst. Auch hier gibt es ja kaum Grenzen: die HighTech-Matte für 250,- Euronen oder das Schaumteil für ’nen Zehner. Hauptsache: Liegen, sage ich immer. Es geht alles, wenn man müde genug ist.
  • Feuchtigkeit ist immer so eine Sache: vom Boden oder aus dem Himmel. Eine Gewebeplane mit Ösen aus dem Baumarkt hilft, günstig und effektiv. Wer’s schicker haben will, braucht ein sogenanntes Tarp. Mit ein bisschen Schnur (oder Reepschnur), den richtigen Knoten und zwei bis vier alten Zeltheringen kann man eine Menge Wetterschutz hinbekommen. Nahezu professionell für Bodenschläfer*innen ist dann ein Biwaksack, also eine wasserfeste Außenhülle für den Schlafsack. Auch davon hat manche*r noch einen im Keller liegen, weil Papa mal bei der Bundeswehr war. Die gibt es auch gut gebraucht.
  • Und schließlich: Richtig schick draußen schlafen geht in der Hängematte! Ich mache das fast immer so. Für wenig Geld gibt es superleichte Hängematten aus synthetischer Fallschirmseide. Bäume zum Abhängen finden sich fast überall. Vorteil: man liegt nicht auf dem Boden, sondern in feinem Abstand dazu. Das minimiert nächtliche Besucher*innen tierischer Art. 🙂 Wichtig: nicht gerade drinliegen und aussehen wie eine Banane, sondern „brasilianisch“! Das ist quer in der Matte, aber fast gerade im Rücken. Funktioniert großartig! Plane oder Tarp ergeben über der Hängematte ein klasse Sonnen- oder Regendach.

Und sonst so? Das sonst-so-wichtigste für unterwegs:

  • Wasser! Das absolute Muss. Davon solltest Du einiges dabei haben. Outdoor-Trinkflaschen (Beutel/Trinkschlauch/faltbarer Kanister, z.B. von Ortlieb) sind super, aber es tut auch eine mit Leitungswasser gefüllte PET-Einwegflasche. Nicht stylisch, aber ausreichend. Du brauchst Wasser zum Trinken (viel!) und für ein bisschen Hygiene. Schleppe aber nicht zu viel mit dir rum, denn jeder Liter Wasser bedeutet ein Kilo mehr im Rucksack!
  • Essen. Ach ja, man hält es vergleichsweise lange auch ohne aus. Aber etwas zu Essen mit hohem Energiegehalt ist schon klasse. Ein paar Fruchtriegel, eine Nuß-Traubenmischung („Student*innenfutter“), Kekse, Muesli und Saft, ein paar „Stullen“. Das geht alles. Wer kochen will, schaue mal nach Sturmkochern. Mein Kochgeschirr trage ich schon seit Jahren mit mir rum und etwas Reis mit Brühe oder Nudeln sind unterwegs ein Gedicht.
  • Notfallzeug. Ein paar Pflaster, ein Desinfektionsspray, eine Rolle Klopapier (für alle Lebenslagen), Mückenspray, Sonnencreme/-milch.
  • Hygiene. Weniger, weniger, aber richtig… Eine neutrale Waschemulsion (gibt’s in jedem Drogeriemarkt auch als Mini-Teil), Zahnpasta (auch Mini), Zahnbürste, ein Waschlappen (oder ein paar Einmal-Waschlappen), ein Handtuch (ich empfehle ein günstiges Mikrofasertuch), ein kleines Deo. Das reicht.
  • Taschenmesser. Muss nicht viel können, aber Schneiden, eine Flasche aufmachen, mal eine Dose aufschneiden und ein Loch irgendwo reinbohren…
  • Immer wichtig: eine Rolle Toilettenpapier. Eins der witzigsten Outdoorbücher, die ich kenne, hat den Titel „How To Shit In The Woods“. Unterwegs müssen, kann einen schon ein bisschen in Wallung bringen… Daher: T-Papier und am besten einen kleinen Klappspaten oder ein Schäufelchen oder einen stabilen Löffel, denn wir wollen unseren Produktstolz nicht mit allen, die hier vorbeikommen, teilen. Besser für die Verrottung ist es auch. 🙂
  • Um alles unterzubringen, braucht es einen Rucksack (oder Fahrradtaschen). Und auch hier gilt: meistens reicht das, was Du schon hast. Wer mit leichtem Gepäck unterwegs ist, braucht keinen Riesenrucksack, sondern der Daypack, der sonst mit zur Uni kommt reicht unter Umständen schon. Gutes Ding dazu: ein Regenüberzug.

Das waren sie schon, die Dinge, die Du wirklich brauchst, wenn Du draußen unterwegs bist und mal eine oder zwei Nächte auch dort schläfst. Geht, oder…?

Verpacke alles wasserdicht, auch im Rucksack. Dann ist nicht gleich alles nass, wenn mal die Flasche ausläuft oder du in einen Regenschauer kommst. Gut gehen dafür Müllbeutel (kannst du dann auch noch anders nutzen) oder verschließbare Gefrierbeutel.

Nice, aber nicht zwingend nötig – Ausrüstung special

Wenn ich ehrlich bin, stöbere ich immer gerne in Outdoorläden. Was es nicht alles Praktisches für Unterwegs gibt! Aber braucht man das wirklich? Ein paar Dinge sind nicht nötig, aber eine hilfreiche Unterstützung, wenn es bisschen komfortabler sein darf oder die Herausforderungen höher sind. Ein paar Dinge stelle ich Dir vor:

  • Unterwegs kochen ist ziemlich launig und manches einfache Gericht schmeckt nach einem langen Fußweg-Tag oder am Ufer eines Sees in der Abenddämmerung besser als in einem Drei-Sterne-Schuppen. Kocher gibt es in jeder Preisklasse und Ausstattung. Als Brennstoffe kommen Holz („Hobokocher“), Spiritus (der Klassiker ist der schwedische Trangia), Esbit (Festbrennstoff, sieht aus wie Grillanzünder), Gas (wahrscheinlich das gebräuchlichste) und Benzin (das ist dann ein bisschen HighTech für Wintertouren in den Bergen) zum Einsatz. Wenn Du unterwegs kochen willst, schau mal, ob nicht bei Euch ein alter Gaskocher schlummert. Kartuschen gibt es in Outdoorläden und Baumärkten. Ansonsten braucht es wenigstens einen leichten Topf, der für alles taugt. Manche Kochgeschirre haben auch schon ein Set von Töpfen dabei. Haltbare Lebensmittel lassen sich super mit etwas Frischem kombinieren. Couscous ist übrigens super, ein bisschen Brühe, eine Zwiebel, wer mag, schneidet ein bisschen Salami rein. Wer kochen will, braucht dann auch noch Besteck und was zum Abwaschen. Und wie immer gilt: Hinterher sieht am Platz alles so aus wie vorher. Leave no trace!
  • Mancher Ort schreit nach etwas Gemütlichkeit beim Genießen. Immer gut ist ein kleines Sitzkissen (aus einfachen Isomaterial), das hilft auch schon mal als Fußmatte, wenn man morgens mit nackten Füßen aus der Hängematte steigt. Profis (und Menschen mit hoher Tragfähigkeit) haben auch schon mal kompakte Campingsitze oder Picknickdecken dabei. Das ist toll, aber es geht auch ohne. Man muss es halt transportieren.
  • Manchmal ist es hilfreich, wenn man Dinge befestigen kann: Das Gepäck hochhängen oder die Plane zwischen zwei Bäume spannen. Dafür sind gut: ein paar Meter sogenannte „Reepschnur„, die sieht ein bisschen aus wie zu dünn geratenes Kletterseil, ist unempfindlich und lässt sich gut knoten und hat dabei eine hohe Tragkraft. Natürlich tut es auch eine Nylonschnur aus dem Baumarkt (nur auf Wäscheleine würde ich verzichten, die ist eigentlich Mist, außer Du willst unterwegs Wäsche trocknen). Ich habe eigentlich auch immer ein paar Karabiner dabei. Schnell mal was irgendwo anhängen, einen Flaschenzug für die Hängematteaufhängung basteln. Super praktisch die Teile! Schließlich sind auch ein paar alte oder einfache Zeltheringe ganz gut. Damit kannst Du Deine Plane einfach am Boden fixieren, damit Dein improvisiertes Regendach hält. Wiegt nicht viel, ist sehr hilfreich.
  • Recht komfortabel ist eine Nacht draußen ja erst mit einem Zelt. Das stimmt. Aber eine Nacht unter freiem Himmel hat einen ganz besonderen Reiz. Dazu kommt noch ein rechtliches Problem: Zelten ist in Deutschland – im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern – erstmal überall verboten. Nur auf Zeltplätzen und Privatgrund darf gezeltet werden. Wenn Du also ein Zelt für die Übernachtungen mitnimmst, kommt neben dem Gewicht auch die Notwendigkeit hinzu, einen Campingplatz zu finden und zu bezahlen oder einen netten Menschen zu überreden, dass man das Zelt auf seinem Privatgelände aufschlagen darf. Die Zelte sind auch sehr unterschiedlich zum Transport aus eigener Kraft geeignet: Wer schon mal ein paar Tage einen alten Ocken mit Fiberglasgestänge und ordentlicher Zeltplane durch die Wallachei geschleppt hat, weiß ein Lied davon zu singen. Außerdem: Draußen lauert das Abenteuer! Und selbst wenn man zwei Tage mal etwas schlechter (oder anders als sonst) schläft, ist das auszuhalten und die erste Nacht im eigenen Bett wieder um so schöner.
  • Ein Wort noch zur Navigation draußen. Mikroabenteuer werden dann richtig spannend, wenn man sich auf die eigenen Sinne verlassen muss, um Richtungen und Entfernungen klarzukriegen. Aber manchmal ist es gut, schauen zu können, wo man eigentlich ist und wie man weiter kommt. GPS hat inzwischen fast jedes Handy und kann damit online navigieren. Das Problem beginnt dann, wenn man kein gutes (Daten-) Netz hat. Für solche Gelegenheiten gibt es Apps, die auch mit Offline-Karten umgehen können. Marktführer ist komoot, Nachteil ist, dass man Karten kostenpflichtig runterladen muss (ist zwar günstig, aber…), sonst funktioniert es auch nur mit Internetverbindung. Spannend ist oruxmaps (https://www.oruxmaps.com/cs/en/), komplett kostenlos und flexibel, aber nur für Android. Die App OsmAnd benutzt den Dienst OpenStreetMaps ist kostenlos und auch in Android und iOS zu kriegen.
  • Es hat ja ein bisschen den Hauch des Alte-Damen-Zubehörs: Trekking-Stöcke. Absoluter Vorteil: die taugen als behelfsmäßige Zeltstöcke! Vorne und hinten unter die Plane, ein bisschen abspannen und schon hat man einen ordentlichen Unterstand. Das funzt. Ich habe trotzdem keine… 🙂

So viel wie nötig und so wenig wie möglich

Diese Liste ist sicher nicht vollständig. Wenn Du mit Leuten sprichst, die oft draußen sind, hat jeder und jede so seine und ihre Specials, ohne die man nicht das Haus verlassen kann, um draußen zu sein. Aber vieles muss man einfach selber mal ausprobieren. Ich schlafe zum Beispiel am allerliebsten in der Hängematte, kenne aber andere, die das ganz schrecklich finden.

Nichts ist richtig und nichts ist falsch, außer vielleicht erst gar nicht loszugehen, weil man das Gefühl hat, nicht den richtigen Stuff zur Hand zu haben.

Ich mag Dich herzlich dazu ermutigen: Geh raus und probier aus, was Du brauchen könntest, damit Dein Abenteuer Dein Abenteuer wird!

Meistens hat man viele Sachen, die man brauchen kann, sowieso schon, ahnt es aber gar nicht.

Wichtig ist mir: Es geht darum in der Natur und draußen zu sein. Es geht um Respekt vor Erde. Tiefsinnig wahrnehmen und leben. Etwas von der Unendlichkeit und Weite und Freiheit spüren. Für mich steckt da auch viel Gott drin, aber das ist mein eigenes Ding.

Auf ins Abenteuer! Die Welt wartet auf Dich!

Wenn Du selber ein paar Tipps hast oder gute Erfahrungen unterwegs mit bestimmter Ausrüstung machst, dann schreibe doch gerne einen Kommentar und teil das hier.

Hier kannst Du eine kurze Version der Packliste als pdf herunterladen. 🙂