Eine Floßfahrt, die ist lustig

Ich (Emilia) habe gemeinsam mit meiner Cousine Lena zwei unterschiedliche Aktionen durchgeführt. Zuerst haben wir gemeinsam ein Floß gebaut und sind damit zu einem See gefahren, um zu testen ob es auch mit uns drauf noch schwimmt. Glücklicherweise ist es geschwommen, sodass wir einen Nachmittag auf dem See verbringen konnten. Für Proviant war auch gesorgt, denn den haben wir in wasserdichten Tonnen mitgenommen. Wir konnten also -dank unserem Floß- sogar auf dem See picknicken. Als Baumaterialien mussten wir nur noch ein paar Kanister besorgen. Den Rest: eine alte Palette, Holzlatten und Spanngurte hatten wir zuhause.  

Als zweite Aktion haben wir im Schrebergarten von unserem Opa übernachtet. Dabei haben wir in Hängematten geschlafen. Zum Abendbrot gab es Spiegelei, Würsten und Stockbrot, was natürlich alles über dem Lagerfeuer zubereitet wurde. Die Nacht in den Hängematten war kurz, bequem und zum Glück nicht so kalt wie erwartet. Wir sind den nächsten Morgen früh aufgestanden, um uns den Sonnenaufgang anzusehen.

Fazit: Mein handwerkliches Geschick ist besser als ich erwartet habe. Man braucht nicht viel, um neue & außergewöhnliche Sachen zu erleben. Und viele Sachen hat man eh schon zuhause. Eine fehlende Ausrüstung kann also nicht als Grund genommen werden, ein Mikroabenteuer nicht zu machen. Man braucht nicht unbedingt ins Ausland zu verreisen, um Urlaub zu machen und neue Erlebnisse zu schaffen.

Von wunden Füßen und einem geteilten Fahrrad

Manchmal liegen die eigenen Grenzen nicht da, wo man sie vermutet.“

Carina hat Lukas zu seinen Mikroabenteuern interviewt:

Carina: Wer bist du und was hat dich an der Teilnahme bei #einfachmachen gereizt?

Lukas: Ich bin Lukas, 25 Jahre alt und komme ursprünglich aus Hornburg, wohne aber jetzt in Braunschweig. Ich bin schon eine Weile gern draußen unterwegs, hauptsächlich wandernd. Die Idee und das Motto fand ich einfach spannend, weil es zu der Bewegung und der Natur noch eine gewisse Gruppendynamik mitbringt.

noch optimistisch am Kanal nach Hannover zu laufen

Carina: Du hast im Sommer sogar Erfahrung in zwei Projekten gesammelt. Was hast du gemacht und wie lief’s?

Lukas: Meine Freundin wohnt in Hannover und da habe ich mir gedacht, dass ich mit einer Übernachtung irgendwo zwischendurch auch zu Fuß dorthin kommen könnte. Über eine Route am Mittellandkanal entlang sollten das ungefähr 70 Kilometer sein. Also packte ich den Rucksack mit Kocher, Schlaf- und Biwaksack, Tarp, Wasserfilter und genug zu trinken und machte mich auf den Weg. Leider kamen ein paar Faktoren zusammen, die zu einem Abbruch nach ca. 30 Kilometern und knapp 7 Stunden geführt haben. Blasen an den Füßen, dazu ein wirklich nicht so schöner Weg (den Weg am Kanal entlang hatte ich mir schöner vorgestellt) und die geplante Aktion wenige Tage später bewogen mich dazu, in Peine in den Zug zu steigen.

Schon lange spiele ich Handball und gerade läuft die Vorbereitung auf die nächste Saison. Unser Trainer hat uns in diesem Zug die folgende Aufgabe gegeben: Legt zu zweit eine vorgegebene Strecke von knapp 50 km rund um Hornburg so schnell wie möglich zurück. Jedes Team hat ein Fahrrad, das auch immer nur eine Person nutzen darf. Also: Satteltaschen gepackt (viel Wasser, ein paar Bananen und Traubenzucker und: Tablet und Musikbox) und los ging‘s. Immer abwechselnd Laufen und Radfahren, erst in längeren Etappen, je wärmer es wurde dann mit häufigeren Wechseln. Nach 5:40 h waren wir wieder da.

Carina: Wow, das klingt nach zwei spannenden Projekten. Welche (neuen) Erfahrungen hast du sammeln können?

Lukas: Manchmal liegen die eigenen Grenzen nicht da, wo man sie vermutet. Ich hätte nicht gedacht, dass ich nach 30 Kilometer laufen und 20 Radfahren von der Kondition noch hätte weitermachen können, nicht aber von der Muskulatur. Außerdem habe ich neu gemerkt, wie motivierend jede Form von Musik sein kann. Zudem ist manchmal ein genaueres Durchdenken von Vorhaben doch besser… Dass der Weg am Kanal entlang so ist, wie er ist, hätte vielleicht zu einem anderen Weg führen können.

Carina: Worauf muss bei der Planung/Durchführung geachtet werden? Was würdest du anderen empfehlen?

Lukas: Es macht durchaus Sinn, vorher zu überlegen, was man braucht, wie das Wetter ist und wo man ungefähr lang möchte. Davon hängen ab, wie viel Wasser man braucht (Bäche, Quellen? Wasserfilter?), welche Schuhe man trägt und so weiter. Ein bisschen Verpflegung hilft auch. Und dann sollte man es nicht übertreiben. Wenn man merkt, dass es nicht mehr geht, ist es auch okay, aufzuhören, auch wenn man nicht geschafft hat, was man sich vorgenommen hat.

irgendwo zwischen Braunschweig und Hannover…

Carina: Was davon möchtest du in deinem Alltag häufiger umsetzen? Hast du Pläne für ein weiteres Mikroabenteuer?

Lukas: Aktuell ist noch kein weiteres Mikroabenteuer geplant. Aber eine Nacht unter den Sternen will ich dieses Jahr auf jeden Fall noch machen. Und im Alltag – das Auto stehen zu lassen und andere Wege zu finden ist in jedem Fall eine gute Idee. Ich habe vor, den Weg zur Arbeit zumindest manchmal mit dem Rad zurückzulegen.

Carina: Viel Erfolg und danke für’s Interview!

Eine Nacht am Steinhuder Meer (und ein langer Weg dorthin)

Zu zweit sind wir von Ostfriesland aufgebrochen, ohne klares Ziel. #einfachmachen, eben! Die erste Idee: einen Teil der Strecke (wohin auch immer) mit einem Kanu zurücklegen. Auf der Weser. Oder so. Letztlich ist alles anders gekommen, aber das war nicht schlimm – es war gut so, wie es war!

Mit der Bahn in Norden gestartet, sind wir dann in Nienburg (Weser) ausgestiegen, haben den schönen Wochenmarkt entdeckt, uns mit einer kleinen Pizza gestärkt und dann losgewandert. Das Ziel (nach einigem Hin und Her): das Steinhuder Meer! Eine ordentlich lange Strecke, wie wir dann irgendwann gemerkt haben…

Aber der Weg war traumhaft schön. Wir waren viel im Wald unterwegs, zwischendurch auch an Feldern entlang und nur sehr selten war so etwas wie Zivilisation zu erkennen. Einmal 2 Kilometer an einer Straße entlang, sonst nur Natur pur.

Bei Kilometer 20 haben wir zum ersten Mal geahnt, dass der letzte Teil des Weges wohl der anstrengendste werden würde. Letztlich haben wir uns noch gute 10 Kilometer voran gekämpft, zwischendurch auch über eine „Abkürzung“, die sich als hoch bewachsenes Feld erwiesen hat (Brennnesseln, Disteln oder beides? Du hast die Wahl!) und sind letztlich glücklicn angekommen. Dachten wir. Denn nach einer kleinen Stärkung im örtlichen Restaurant (na gut, das war jetzt nicht mehr so Natur pur) hieß es noch mal, knapp 5 Kilometer am Wasser entlang zum Strand an der weißen Düne, der uns für die Nacht empfohlen worden war.

Gute Wahl! Wir haben ein schönes Eckchen am Rand gefunden, durch Bäume relativ gut geschützt, und es uns dort gemütlich gemacht. Nur das Einschlafen viel schwer, weil zwei Partygesellschaften noch bis halb drei fröhlich gefeiert haben…

Dafür war das Aufwachen umso schöner! Vögelgezwitscher, frische Luft, das Wasser glitzert… Gefrühstückt haben wir auf dem Steg, sind anschließend noch ins Wasser gewatet (das Steinhuder Meer hat auch nicht viel mehr Tiefgang als die Nordsee an der ostfriesischen Festlandküste!) und die Sonne etwas genossen.

Dann: ab nach Neustadt am Rübenberge! Gut 10 Kilometer entfernt, nur diesmal leider viel an einer großen Straße entlang – aber Umwege für schönere Wege, das machten die müden Füße nicht mehr mit! 😉

Vor der Rückfahrt gab es noch eine großartige Waffel als krönendem Abschluss und dann saßen wir wieder im Zug. Müde, satt und glücklich, mit vielen Eindrücken, vielen tiefen Gesprächen und dem Gefühl, richtig was erlebt zu haben!

Eine Nacht am Meer entlang

Oder: Von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang auf den Beinen

Mein erstes Mikroabenteuer – ich habe hin und her überlegt, wie es aussehen soll. Dann habe ich mit meiner Freundin über die Ideen gesprochen. Als sie sagte: „Bei der Wanderung durch die Nacht wäre ich auch dabei“, war die Entscheidung gefallen. Denn zu zweit unterwegs zu sein gab mir gleich ein besseres Gefühl. Wir guckten uns eine Nacht aus und trafen vorher ein paar Absprachen. Wir wollten am Meer entlanglaufen – auch weil sich die Übergänge zwischen Tag und Nacht dort vermutlich am besten sehen ließen. Da wir nicht allzu viel Gepäck brauchten, entschieden wir uns dafür nur den Treckingrucksack meiner Freundin mitzunehmen und uns beim Tragen abzuwechseln. Ein Startpunkt, zu dem wir mit dem Zug anreisen konnten, war auch leicht gefunden und von da aus war es nicht mehr weit bis zum Deich.

Oben angekommen genossen wir erstmal den Ausblick. (Natürlich war Niedrigwasser, wie gefühlt fast immer, wenn man nach längerer Zeit mal wieder an die Nordsee kommt.) Es waren noch etwa 1 ½ Stunden bis Sonnenuntergang und wir entschieden uns bis dahin schon mal am Wasser entlang Richtung Norden loszuwandern, denn ab hier begann ja erst unsere eigentliche Strecke. Obwohl es tagsüber mehr als 30°C gewesen waren, ließ es sich auf dem Weg nahe am Wasser sehr gut aushalten.
Zum Sonnenuntergang machten wir die erste Pause, setzen uns auf Steine und ärgerten uns ein wenig über die Wolken, die kurz vorher am Horizont aufgetaucht waren und uns die Sicht nahmen. Faszinierend war es trotzdem:

Gestärkt von Pizzaschnecken und voller Neugier auf die einsetzende Dämmerung, setzten wir unsere Wanderung fort. Es wurde langsam immer dunkler und wir überlegten, wann wohl der Mond aufgehen und uns zumindest ein wenig leuchten würde. Durch ein Tor führte uns der Weg unten am Deich auf eine Kuhweide. Ein wenig mulmig war uns schon, als wir in der immer dunkler werdenden Nacht an den grasenden Kühen vorbei liefen. Die meisten schauten nur kurz hoch, aber einige waren neugieriger und folgten uns ein paar Meter, verloren jedoch schnell wieder das Interesse. Immer wieder hörten wir einzelne Kühe laut rufen. Sie standen jeweils ein Stück entfernt von den anderen und wir fragten uns, ob sie sich vielleicht noch unwohler fühlten als wir selbst.

Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit auf einem Weg aus Betonplatten über Kuhwiesen gelaufen waren (Kühe hatten wir dabei schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen), standen wir plötzlich vor einem Zaun. Ganz unvermittelt schnitt er uns den Weg ab. Wir waren verunsichert, gerade weil wir inzwischen nicht mehr erkennen konnten, wo der nächste Durchgang war. Nach kurzem hin und her entschieden wir uns oben auf dem Deich nachzuschauen. Schon beim Anstieg sahen wir mit Erleichterung, dass auf der Kuppe ein Tor war. Als wir gerade oben ankamen, waren wir aber wie versteinert. Dieses Mal aber von dem wunderschönen Anblick des Mondes, der gerade fast rund und leuchtend orange aufging. Während wir noch staunend dastanden, huschte eine Sternschnuppe über den Nachthimmel. Uns stockte kurz der Atem und schnell erkannten wir: Es sollte so sein, dass wir unten am Deich nicht weiterkamen, denn sonst wären uns diese atemberaubenden Momente entgangen.
Allerdings war dies auch die dunkelste Zeit, in der wir unterwegs waren, denn die Sonne war längst verschwunden und der Mond noch nicht hell genug. Wir suchten noch das eine oder andere Mal nach dem ausgetrampelten Weg, entschieden uns hin und wieder für die Straße auf der Landseite des Deiches und trafen dort einen aufgescheuchten Igel. Die grellen Scheinwerfer der gelegentlich vorbeifahrenden Autos waren uns aber so unangenehm, dass wir immer wieder versuchten unsere Wanderung auf dem Deich weiterzuführen. Karten oder Google Maps brauchten wir lange nicht denn wir mussten ja nur dem Deich folgen (so gut das eben ging). Irgendwann kamen wir da aber nicht mehr weiter und unser Weg führte uns durch zwei Orte mit den einfallsreichen Namen Arensch und Berensch.

Rund um die beiden Orte gingen wir auch streckenweise am Waldrand entlang und ich spürte, dass ich angespannter war. Wachsam beobachtete ich jeden kleinen Schatten und horchte auf ungewohnte Geräusche. Ich fühlte mich deutlich unwohler als am Deich, wo mein Blick viel weiter schauen konnte.
Das letzte Drittel des Weges schleppten wir uns im Prinzip nur noch voran. Die Beine wurden immer schwerer und die Füße taten auch schon eine ganze Weile weh. Aber wir hatten uns vorgenommen zum Sonnenaufgang am Meer zu sein und so war aufgeben keine Option. Als der Sandstrand neben uns auftauchte, war es schon deutlich heller geworden. Der Sonnenaufgang konnte nicht mehr allzu lang hin sein. Weit kamen wir aber nicht mehr. An einem der ersten Strandaufgänge verließen wir den Weg, breiteten die Decke aus und fielen ächzend in den Sand. Den Sonnenaufgang konnten wir aus zwei Gründen nicht richtig verfolgen: Zum einen waren kurz vorher wieder Wolken aufgezogen und zum anderen passierte er irgendwo hinter Bäumen und Häusern. Aber trotz aller Erschöpfung waren wir glücklich, es bis an den Strand geschafft zu haben.

… und heller 🙂