Einfach eine Nacht im Wald

Oder: Von Rehen, die „bellen“, und dem starken Gefühl, Gast zu sein…

Eigentlich wollten wir nicht den Beweis antreten, dass Mikroabenteuer auch im Alltag funktionieren können. Aber irgendwie war wieder alles kompliziert. Die Kinder brauchten ewig, bis sie im Bett waren. Unser Packen war eher konfus. Als wir die Rucksäcke schlossen, schlich sich gleich das Gefühl ein, irgendetwas Entscheidendes vergessen zu haben.

Und dann eine erste Überraschung: Mit den ersten Schritten durch die Haustür beginnt das Abenteuer. Die Dinge, die vorher aufregend und nervig waren, waren weitgehend verschwunden.

Es dämmerte schon gewaltig, als wir durch Annes Heimatort hügelan gingen. Witzig, unser erstes gemeinsames Mikroabenteuer als Paar. Es war Annes Idee gewesen. Ganz in der Nähe gibt es einen ehemaligen Truppenübungsplatz, der heute ein wunderschönes Biotop ist. Eine Stunde Wanderung, deren zweite Hälfte schon einer Nachtwanderung glich. Naja, wer – selbst im Sommer – erst um 22:00 Uhr aufbricht, darf sich nicht wundern, wenn die Lichtverhältnisse schwierig sind.

Es war eine der trockenen und ganz milden Julinächte angesagt, deswegen hatten wir uns ziemlich spontan entschieden, die Chance zu nutzen.

Die Wege – wenn nicht im Wald – gesäumt von kleinen Blumen, die im fahlen, letzten Licht des Tages gelb aufzuleuchten schienen.

Kurz nach elf hatten wir unser Ziel erreicht. Lagerplatzsuche. Das gestaltet sich im Dunkeln und im Wald gar nicht so einfach. Anne entdeckte eine kleine Bresche im krautigen Waldrand und dahinter ein Stück Buchenwald mit Bäumen im idealen Abstand für unsere Hängematten. Und die nächste Überraschung: Glühwürmchen! Die hatte ich schon ewig nicht mehr gesehen.

Nachtlager: Hängematten und Mückennetze

Während des Aufbaus wurden wir von heftigen Bewegungsgeräuschen aus dem nahen Wald überrascht. Oder eher aufgeschreckt. Was war das? Hoffentlich keine Wildschweine. Im dunklen Wald war nichts zu sehen. Kurz darauf: Bellen! Oh, weia. Jagd? Wilde Hunde? Ganz nah. Ein wenig merkwürdig klang es schon. Was tun?

Als sich das „Bellen“ entfernte, haben wir unser Lager zu Ende hergerichtet. Hängematten, Mückennetze drumherum, Rucksäcke an Bäumen hochgehängt. Ein Bier. „Zum Mutantrinken“, wie Anne meinte. Und dann ab in die Schlafsäcke.

Eigentlich totmüde, aber ein wenig Adrenalin-aufgekratzt fiel das Einschlafen doch schwer. Ein Wald als dunkle Höhle voller Geräusche um uns herum. Aber irgendwann veränderte sich etwas. Gar nicht im Wald, sondern eher mit uns. Anne hat das in einem „Brief an die Tiere“ so beschrieben:

Liebe Tiere im Herberhäuser Wald!
Wir sind die zwei, die sich neulich Nacht einfach mal so – ungefragt – bei euch einquartiert haben. Vielen Dank noch einmal, dass ihr uns bei euch aufgenommen habt und nicht auf Angriff geschaltet habt. Und entschuldigt bitte vielmals die Störung!
Es war wirklich aufregend, aber am Ende auch wirklich herrlich bei euch. Die Magie der Nacht, der Zauber des neuen Morgens… Am Anfang hatten wir ehrlich gesagt ganz schön Muffensausen. Der Wald bei Nacht – dunkel und unheimlich. Still? Überhaupt nicht. Im Gegenteil. So viele Geräusche, aber unbekannte. Und wir – auf einmal mitten drin im nächtlichen Versteckspiel. Ihr von uns aufgescheucht (sorry dafür!); wir von eurem furchteinflößenden Gebelle, liebe Rehe, adrenalinbetankt. Irgendwann hatten wir es aber wohl alle kapiert: Ihr keine Hunde oder angriffslustige Wildschweine, wir keine Jäger…. Es war ein besonderer Augenblick und irgendwie ein spirituelles Erlebnis, der Moment dieser Erkenntnis… Mit Herzklopfen und zitternden Händen und Knien, einen großen Stock zur Verteidigung stets griffbereit, hatten wir zuvor unsere Hängematten aufgebaut und Schlafplätze eingerichtet. Eng aneinander hingen die Hängematten, so dass wir uns spüren konnten. Dann der Perspektivwechsel: Der Blick nach oben durch die schwarzen Blätter hindurch in den vom Mond gräulich schimmernden Himmel. Und plötzlich ging mir ein Lied durch den Kopf: „Ich bin ein Gast auf Erden!“ Es war, als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte: ‚Ja klar‘, schoss es mir durch den Kopf, ‚wir sind hier zu Gast bei euch. Ihr, ihr wohnt hier in diesem Wald. Das ist euer Zuhause!‘ Und auf einmal spürte ich euer „ok“ zu uns. Es war, als ob ihr zu uns gesagt hättet: „Es ist ok. Heute teilen wir uns den Wald; heute seid ihr unsere Gäste.“ Die Geräusche änderten sich. Die ganze Atmosphäre änderte sich. Frieden füllte auf einmal unser geteiltes Stück Erde; Frieden kehrte in unser Herz ein. Kein Versteckspiel mehr, sondern wir mitten drin in einem Schauspiel der Natur; des Windes, der Bäume, der Waldtiere, der Vogelstimmen und der aufgehenden Sonne!
Ihr bewohnt wirklich ein wunderschönes Stückchen Erde, liebe Tiere! Vielen Dank für eure Gastfreundschaft! Und – vielleicht sehen wir uns wieder…
Beste Grüße, Eure Mikroabenteurer*innen Anne & Torsten

Es war eine wunderschöne Nacht. Gar nicht mal ungestört. Vorbeiziehende Tiere gab es noch ein paar Mal. Aber jedes Mal, wenn ich nachts kurz wach geworden bin, hatte ich den Eindruck, in einer Sauerstoffdusche zu liegen.

Irgendwie gemütlich

Lange bevor die Morgendämmerung einsetzte, wurde der Wald ruhiger, fast still. Und als die blaue Stunde die Dämmerung auf den Weg schickte, begann ein erster Vogel zu singen. Weiter weg. Außerhalb des Waldes auf einem Feld. Und dann setzten andere ein. Erst draußen, wo es schon heller zu sein schien, und dann auch um uns herum im Wald. Eine ohrenbetäubende Welle, die dem Tag entgegenbrandete. Lustigerweise sind wir genau dabei noch einmal beide eingeschlafen in unseren Hängematten.

Ein milder und ersteinmal sonniger Tag zog herauf. Waldklo, Katzenwäsche, Schlafsäcke verstauen, Hängematten runter, auch das bisschen Müll in die Rucksäcke, nichts zurücklassen.

Eben noch der Lagerplatz

An diesem frühen Morgen waren wir beide völlig alleine unterwegs auf den Wegen, die abwechselnd im Wald und an Wiesen vorbeiführten. Eine Streuobstwiese, ein Waldpfad, einmal gekreuzt von den untrüglichen Zeichen einer wühlenden Wildschweinrotte.  Eine Streuobstwiese, die als Lichtung aus dem Wald hervorging. Vom Waldboden stieg eine schwere Feuchte auf. Alles berstend voll grünem Leben. Plötzlich flog ein Käuzchen tief über den Weg und setzte sich in einen Baum. Die kleine Eule, die völlig lautlos fliegen kann, wurde von mehreren Amseln verfolgt, die – zwar kleiner als der Kauz – diesen scheinbar nicht in der Nähe ihrer Jungvögel haben mochten. Ein bizarres Schauspiel.

Im Aufbruch – eine feines Bild für das Leben überhaupt

Nach eineinhalb Stunden erreichten wir wieder unseren Ausgangsort. Unsere Jungs warteten schon mit dem Frühstück auf uns, das sie mit den Großeltern vorbereitet hatten. Der Opa – von Hause aus Förster – klärte dann auch das „nächtliche Bellen“ auf. Wahrscheinlich hatten wir ein Rudel Rehe aufgeschreckt, die sich lautstark beschwert haben. Wir sind bloß von zehn Uhr abends bis Neun am nächsten Morgen unterwegs gewesen. Nicht viel Zeit, nicht mal einen besonders langen Weg. Und trotzdem war es ein Besuch in einer völlig anderen Welt. Das hatte uns schon auf dem ganzen morgendlichen Rückweg beschäftigt.

Gäste sind wir. Und wenn es gut geht, dann entdecken wir sogar in der Ängstlichkeit vor dem Unbekannten eine tiefe Geborgenheit.

Natur in der Großstadt

Nele und Svenja haben es ausprobiert

Mikroabenteuer – wie der Name schon sagt – sind oft keine riesigen Aktionen, sondern schnell und unaufwendig.

Zum Nachmachen empfohlen: Mikroabenteuer öffnen andere Blickwinkel

In unserer Tutorialwoche sind Svenja und Nele aus Hannover zu einem kleinen Tutorialabenteuer unterwegs gewesen: eine Stunde in jede Himmelsrichtung und dann sollte man ungefähr wieder am Ausgangspunkt zurück sein.

„Wir haben uns vorher ein bisschen abgesprochen“, haben die beiden erzählt, „wer nimmt was zu Essen mit, wer ein bisschen Ausrüstung. Und dann sind wir los.“

Wer jetzt das Gefühl hat, dass Natur und Großstadt Gegensätze sind, sollte es selber mal ausprobieren und merken: Upps, was hat das hier für schöne Ecken.

Nele berichtet über ihren gemeinsamen Tag:

Svenja und ich waren Samstag in Hannover unterwegs zu unserem ersten Mikroabenteuer und sind eine Stunde in jede Himmelsrichtung gelaufen und nach 25000 Schritten tatsächlich wieder beim Startpunkt angekommen!
Wir haben viele schöne Ecken und Eichhörnchen in Hannover entdeckt.
Wir sind am Kanal (List) losgegangen und dann später durch den Roderbruch, das Heideviertel, Kleefeld und schließlich die Eilenriede gegangen.
Das Wetter konnte sich nicht so richtig entscheiden, ob es gut oder schlecht sein will, aber wir waren für alle Wetterlagen gewappnet!
Die Luther-Figur hat uns auch begleitet auf unserem Weg. Sonst waren wir mit einer Stadtkarte, einem Kompass, einem Notfallhandy, Essen und viel Trinken ausgestattet.
Es war sehr schön und gut für den Kopf, vor allem, weil es nicht zu warm war und sich das Wetter bis auf kurze Schauer gut gehalten hat (nur Sonne wäre ja langweilig :))

Wir sind schon gespannt auf Eure nächsten Abenteuer!

Auch ich will anders unterwegs sein

Moin! Ich bin Janna, 29 Jahre alt und wohne in Osterholz-Scharmbeck (nördlich von Bremen).
Diesen Sommer will ich Neues erleben, draußen sein und meine Komfortzone verlassen.
Fest eingeplant habe ich schon eine Wanderung durch die Nacht, nämlich von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang. Weitere Abenteuer kommen hoffentlich noch dazu. 🙂
Ich bin gespannt, was wir – ihr und ich – diesen Sommer aufregendes erleben werden!

Ich bin dabei

Moin! Ich heiße Carina, 29 und komme aus Braunschweig. Ohne so recht zu wissen, wohin es mich triebt, möchte ich mich auf den Weg machen – am liebsten zu Fuß, am liebesten im Wald und am liebsten mit einer abenteuerlichen Nacht unter dem Sternenhimmel. Ich freue mich auf eine aufregende Zeit mit euch!